Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 26.05.2020

 

Salz und Zucker im Fokus der Forschung

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- Fachleuten ist die gesundheitsschädliche Wirkung von zuviel Salz oder Zucker in der Ernährung hinreichend bekannt. Dennoch gibt es immer wieder neue Facetten an den beliebten, aber riskanten Nährstoffen zu entdecken. Die neuesten Forschungsergebnisse geben aber beileibe keine Entwarnung, sondern zeigen weitere Risiken auf. Zuviel Salz schädigt auf Dauer das Immunsystem und zu hoher Zuckerkonsum erhöht den Harnsäurespiegel und fördert damit Gicht oder andere rheumatische Erkrankungen. Den Zusammenhang von Salz und Immunsystem untersuchte Professor Kurts vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Bonn. Den Einfluss von Zucker auf die Harnsäureproduktion erforschte ein Team vom London Institute of Medical Sciences zusammen mit deutschen Partneruniversitäten.

Der Zusammenhang zwischen Salz und Immunsystem fiel den Forschern nicht sofort auf

Ohne Salz würden viele biologische Prozesse nicht funktionieren. Normalerweise bleibt die Salzkonzentration im Blut und den Organen annähernd konstant. Zuviel Salz wird über die Nieren ausgeschieden. Nun entdeckten die Forscher, dass die Nieren über einen Sensor verfügen, der die Ausscheidefunktion aktiviert. Der Sensor bringt aber die unerwünschte Nebenwirkung mit, dass sich im Körper Glukokortikoide anhäufen. Darunter versteht man eine Klasse von Steroidhormonen, die in der Nebennierenrinde gebildet werden. Ein weitläufig bekannter Vertreter ist Kortison, welches hemmend auf Entzündungen wirkt aber gleichzeitig die Bildung von Granulozyten verhindert. Diese Fresszellen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Zunächst fanden die Forscher den Effekt bei Mäusen. Ein Versuch mit menschlichen Probanden erbrachte ähnliche Ergebnisse. Die Testpersonen nahmen eine Woche lang die doppelte Salzmenge zu sich, als normalerweise üblich. Die Zahl der Granulozyten war verringert und die salzreiche Kost erhöhte den Glukokortikoid-Spiegeln. Dies führte dazu, dass Probanden mit bakteriellen Entzündungen länger mit der Erkrankung zu kämpfen hatten. Die empfohlene maximale Salzmenge liegt bei fünf Gramm pro Tag. Dieser Wert entspricht einem gestrichenen Teelöffel. Besonders viel Salz steckt in Fastfood-Nahrung. Bereits beim Verzehr von zwei Bürgern mit Pommes frites am Tag nimmt der Körper die doppelte Salzmenge auf.

Verkürzte Lebenserwartung der Fruchtfliege bei Überzuckerung

Ernährung mit hohem Zuckergehalt verursacht Durst, Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen. Daraus resultieren Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und eine verkürzte Lebensdauer. Forscher des London Institute of Medical Sciences in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel fanden heraus, dass die wechselseitigen Auswirkungen jedoch sehr komplex und schwer zu entwirren sind. Die Auswirkungen von Überzuckerung auf die Lebenserwartung wurden dabei am Modell der Fruchtfliege (Drosophila) erforscht. Es zeigte sich, dass ein Überschuss an Zucker in der Ernährung dazu führte, dass sich Harnsäure in den Fruchtfliegen ansammelte. Harnsäure ist ein Endprodukt des Purinabbaus. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Ansammlung von Harnsäure mit der zuckerbedingten, verkürzten Lebenserwartung der Fruchtfliege zusammenhängen könnte.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die verkürzte Lebenszeit nicht unbedingt eine direkte Folge der Fettleibigkeit selbst ist. Darüberhinaus zeigten die Fruchtfliegen aufgrund der zuckerhaltigen Ernährung viele Merkmale von bekannten Stoffwechselkrankheiten, wie Übergewicht und Insulinresistenz.
Bei menschlichen Testpersonen zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Die zuckerhaltige Ernährung ging bei den Probanden mit einer schlechteren Nierenfunktion und höheren Harnsäurewerten im Blut einher. Ergänzend dazu ist die Ansammlung von Harnsäure eine bekannte Ursache für Nierensteine beim Menschen und ein Auslöser für Gicht, einer Form der entzündlichen Arthritis. Die Bildung von Nierensteinen ließ sich bei den Fruchtfliegen deutlich reduzieren, wenn sie eine zusätzliche Gabe Trinkwasser erhielten. Die Forscher weisen abschließend darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen erhöhten Harnsäurespiegeln und Lebenserwartung zwar bei der Fruchtfliege nachgewiesen wurde, bei Menschen aber noch Forschungsbedarf besteht. Tiefer gehende Erkenntnisse liefern jeweils die Originalforschungsergebnisse in englischer Sprache (siehe Links unten).

Weitere Informationen

idw-online.de/de/news743676
stm.sciencemag.org/content/12/536/eaay3850
www.precisionmedicine.de/de/detailansicht/news/04-zucker-und-sterblichkeit
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413120300759





 


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