Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 20.10.2020

 

Insektenstudien liefern wichtige Erkenntnisse zur Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung

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- Der NaBu Baden-Württemberg hat Mitte September 2020 eine Studie veröffentlicht, die Hinweise auf die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung für Insekten liefert. Genau genommen handelt sich bei der wissenschaftlichen Arbeit um eine Überblicksstudie (Review). Alain Thill, ein junger Wissenschaftler aus Luxemburg, hat in wochenlanger Arbeit die wichtigsten Studien untersucht, die einen Zusammenhang zwischen Insektensterben und elektromagnetischen Feldern gefunden haben. Aus einer Gesamtmenge von 190 Veröffentlichungen hat er diejenigen ausgeschlossen, die nicht brauchbar waren. Schließlich wurden 83 Studien in die Bewertung einbezogen; auf dieser Anzahl basiert der Review. Dabei wurden die Einflüsse von niederfrequenten Feldern und hochfrequenten Wellen getrennt betrachtet. Die am häufigsten untersuchten Insektenarten waren die Honigbiene und die Fruchtfliege (Drosophila). Von den 55 untersuchten Hochfrequenzstudien wiesen nur etwa zwölf Studien verlässliche statistische Werte auf, obwohl die Erhebung nach Einschätzung des Autors möglich gewesen wäre. Trotz gewisser Mängel im Studiendesign liefern die Arbeiten wichtige Erkenntnisse über dem Zusammenhang von hochfrequenter Strahlung und Auswirkungen auf die sehr empfindlichen Lebewesen.

Schädliche Wirkungen bei Feldbelastungen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte

Die Hochfrequenzfelder wurden zu 45% durch DECT-Telefone, zu 24% durch Signalgeneratoren und zu 15 % durch Mobilfunksender erzeugt. Die Feldstärken wiesen eine große Spannweite von wenigen hundert bis zu 250.000 Mikrowatt je Quadratmeter auf. Kurzfristig waren die Effekte von Mobilfunkbasisstationen zu schwach, um Effekte zu zeigen. Einige Experimente offenbarten dennoch nach mehreren Monaten schädliche Auswirkungen. Der griechischer Forscher Panagopoulos untersuchte zehn Jahre lang die Auswirkungen von Hochfrequenzfelder auf die befruchteten Eier der Fruchtfliege. Bei einer Strahlungsdichte von 100.000 Mikrowatt je Quadratmeter (µW/m²) stellte er DNA-Strangbrüche fest. Anhand von 280 Experimenten mit Fruchtfliegen erkannten Margaritis und Manta eine Erhöhung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) in den Eierstöcken der Insekten nach der Befeldung mit DECT-Telefonen, WLAN-Sendern und Babyphonen. Eine Studie von Favre (2017) zeigte auf, dass die Bienen in einem Stock bereits bei einer geringen Befeldung von kleiner 1.000 µW/m² Pfeiftöne abgaben, was wiederum als Gefahrensignal gewertet wurde. Geronikolou (2014) bestrahlte Drosophila-Eier im Nahfeld mit dem Handy und stellte anschließend eine abnehmende Fruchtbarkeit fest.
Die Forschungsergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 1) Es gibt Effekte bereits unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte; 2) bei sich bewegenden Tieren waren die Effekte geringer als bei Larven oder Eiern; 3) die Effekte sind im frühen Entwicklungsstadium von Ei, Larve oder Puppe stärker als bei erwachsenen Insekten. Zusammenfassend gesehen sieht Alain Thill einen ernstzunehmenden Einfluss von elektromagnetischen Feldern auf die Vitalität von Insektenpopulationen.
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Gemischte Reaktionen in der Presse

Herausgegeben wurde die Studienübersicht von der Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie Akut in Luxemburg mit einer Co-Finanzierung von Diagnose Funk und NaBu Baden-Württemberg. In der Presse gab es ein unterschiedliches Echo. Der Tagespiegel in Berlin beschäftigte sich ausführlich mit der Untersuchung und fragte Pascal Malkemper vom Bonner Forschungszentrum Caesar nach seiner Meinung. Dieser hat Jahr 2018 einen Bericht mitverfasst, in dem 39 Studien bewertet wurden, die auch Thill in seine Publikation einbezogen hat. Der Forscher kritisiert Thills Darstellung der Wirkmechanismen: "Man kann das als Hypothese aufstellen, aber es ist in keiner Weise belegt." Der Forderung nach mehr Forschung stimmt er aber zu. Man müsse hier Labor- und Feldforschende zusammenbringen. Der MDR zitierte den baden-württembergischen Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Nach dessen Meinung werde die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt häufig unterschätzt. Diagnose Funk verlangt eine weitere staatliche Erforschung der Wirkungen von Mobilfunk. Dies gelte besonders mit Blick auf die 5G-Technik. Forum Mobilkommunikation, das Sprachrohr der Mobilfunkindustrie in Österreich behauptet indessen, "es sei bekannt, dass Mobilfunk mit dem Insektensterben nichts zu tun habe, sondern andere Ursachen dafür vorliegen". Der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter widerspricht der Mobilfunklobby in einem Interview mit dem ORF: "Bei der neuen Studie handelt es sich um eine gute und mühevoll zusammengestellte Übersichtsarbeit", sagte Hutter gegenüber science.ORF.at. "Dass sich elektromagnetische Felder auf Lebewesen auswirken, ist lange bekannt." Weiterhin fordert der Umweltmediziner, auch Effekte auf Lebewesen, die wesentliche Säulen der Ökosysteme darstellen, genauer zu untersuchen – speziell was den neuen Mobilfunkstandard 5G betrifft.

Weitere Informationen

baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2020/september/28682.html
www.tagesspiegel.de/wissen/das-handy-als-insektenfalle-forscher-und-naturschuetzer-uneins-ueber-einfluss-von-handystrahlung-auf-insekten/26209156.html
www.fmk.at/presse/presseaussendungen/2020/5g-insektenstudie-nicht-nach-den-ublichen-sorgfaltskriterien-sagt-der-autor-selbst/
science.orf.at/stories/3201814





 


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