Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 27.07.2016

 

Trend zu ungesunden Bodenbelägen hält an

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Trend zu ungesunden Bodenbelägen hält an
29.02.2016 - Die Marktentwicklung von Bodenbelägen zeigt zwei auffällige Trends auf. Im Iangfristigen Zeitraum von 1995 bis 2010 hat Laminat den Teppichboden von der Verkaufsspitze verdrängt. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2013 wurden 68 Millionen Quadratmeter Laminat in Deutschland verlegt. Zweitens rücken in den letzten fünf Jahren die elastischen Bodenbeläge auf PVC-Basis wieder verstärkt ins Blickfeld. Ausgelöst wird der Boom von sogenannten Designer-Fußböden. Den Herstellern gelingt es, optisch ansprechende Oberflächen als Holz- oder Steinimitate zu günstigen Preisen anzubieten. Doch sowohl Laminat als auch PVC-Beläge haben einen großen Nachteil: sie geben entweder Formaldehyd oder Weichmacher in die Raumluft ab.

Formaldehyd ist ab 1.1.2016 von der EU als krebserregend eingestuft

Bereits im Jahr 2004 stufte die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Substanz Formaldehyd als "krebserregend für den Mensch" ein. Im Juni 2014 hat nun auch die europäische Kommission beschlossen, Formaldehyd als "krebserregend" Kategorie 1B und "mutagen" Kategorie 2 einzustufen. Dies wurde nun mit der EU-Verordnung Nr. 605/2014 veröffentlicht und tritt mit Wirkung zum 1.1.2016 in Kraft. Besonders kritisch wird Formaldehyd in Frankreich angesehen. Man forderte sogar eine Einstufung in die Kategorie 1A. Entsprechend streng sind in Frankreich die Richtwerte. Der Kurzzeitwert für zwei Stunden beträgt 50 µg/m³, der Langzeitwert ist mit 10 µg/m³ festgesetzt. Dies kommt praktisch einem Verbot von Formaldehyd in Baustoffen gleich.

Formaldehyd im Laminat

Formaldehyd dient im Laminat als Bindemittel in den Span- oder Holzfaserplatten. Im Laufe der Produktlebensdauer gast es mehr oder weniger stark in die Raumluft aus. Von Herstellerseite wird Laminat als emissionsarm angegeben. Dabei bezieht man sich auf Labortests nach dem AgBB-Schema. Die Laborbeurteilung geht von einer Luftwechselrate von 1 aus, d.h. einmal pro Stunde muss im Raum ein vollständiger Luftaustausch stattfinden. Im praktischen Leben dürfte diese Annahme unrealistisch sein, besonders während der Nachtruhe. Bodenbeläge sind aber nicht die einzige Quelle für Formaldehyd. Die Chemikalie ist auch in den meisten Möbelstücken in Form von Klebern oder Lacken enthalten.

Weichmacher in Bodenbelägen aus Polyvinylchlorid (PVC)

PVC-Beläge haben einen hohen Marktanteil, da sie strapazierfähig, gut zu reinigen und kostengünstig zu beschaffen sind. Kritisch für die Raumluft ist das langsame Ausgasen von Weichmachern. Besonders gefürchtet ist im Brandfall die Freisetzung von giftigen polychlorierten Dioxinen. Das PVC wird durch den Zusatz von Weichmachern elastischer und damit erst als Bodenbelag gebrauchstauglich gemacht. Weitere Bestandteile sind Füllstoffe, verschiedene Additive und Stabilisatoren. Als Trägermaterial dienen unter anderem Jute, Polyestervlies, Glasfaservlies, Kork oder Schaumstoffe. Die oberste Lage besteht häufig aus einer Polyurethan-Beschichtung. Als chlorfreie Alternative zu den PVC-Belägen gelten Fußbodenbeläge aus Polyolefinen, da sie keine Weichmacher enthalten. Ihr Marktanteil ist aber noch relativ gering.

Linoleum gilt als ökologische Variante in der Gruppe der elastischen Beläge

Linoleum besteht fast ausschließlich aus nachwachsenden und mineralischen Rohstoffen mit dem Hauptbestandteil Leinöl. Auf grobmaschiges Jutegewebe wird einseitig Linoleumdeckmasse aufgewalzt. Bevorzugt wird Linoleum in Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern eingesetzt. Gefürchtet ist ein starker anfänglicher Geruch durch Oxidation des Leinöls.

Links

www.wecobis.de/service/sonderthemen-info/formaldehyd-info/gesamt-formaldehyd-info.html
www.wecobis.de/bauproduktgruppen/bodenbelaege/bodenbelaege-bestand-link/elastische-bodenbelaege-im-bestand.html
www.wki.fraunhofer.de/de/publikationen/formaldehyde-dilemma.html
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