Lehm und
Holz als wichtigste Baustoffe
Bericht über die Entstehung eines
Holzständerhaus |
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Burkhardt Niepelt aus Untermembach in Mittelfranken berichtete auf dem Lehmbau-Workshop
am 24.4.2004 in Bayreuth mit einem Lichtbildervortrag über die Entstehungsgeschichte
eines Holzständerhauses mit ganzheitlich baubiologischen Grundsätzen. Nachstehend erfahren Sie die wichtigsten Daten des Bauvorhabens.
Burkhardt Niepelt: "Die
Baustoffe sollten baubiologisch einwandfrei, der Erde unverfälscht entnommen und später
wieder rückführbar sein. So fiel die Entscheidung auf Holz und Lehm als Grundbaustoffe.
Das Holz wurde vielfältig verwendet
Das tragende Gerüst wurde aus massiven Kiefernstämmen nach dem Mond im Winter
geschlagen, gesägt, luttfgetrocknet und mit Holz-Holzverbindungen zimmermannsmässig
errichtet. Ausgefacht wurden die Wände dann mit Holzhackschnitzel-Lehm, wobei die
Außenwände nach außen hin um ca. 20 cm aufgedoppelt wurden, um die Dämmung der
Aussenhaut zu gewährleisten. Mit einer Kantholzstärke von 15 cm entstehen so ca. 35 cm
starke Aussenwände.
Grundgedanke der Holzverwendung war, die Kiefernstämme aus
heimischen Wald möglichst ganzheitlich zu verwenden. So wurden sämtliche Konstruktionen
auf Aufbauten des Hauses danach ausgerichtet und berechnet: die Tragkonstruktion aus massiven
Stämmen
die Verschalungen aus sägerauen,
astigen Brettern für nichtsichtbare Bereiche bzw. aus gehobelten astfreien Brettern für
sichbare Bereiche aus den Seiten der Bäume
Hobeldielen für den Boden aus dem
Stammbereich mit wenig und kleinen Ästen
Lagerhözer und Latten für das Dach,
den Fussbodenaufbau, Aussenverschalungen und Terrasse
Hackschnitzel für die Wände aus den
Abschnitten und Schwarten
Hobel- und Sägespäne für die
Dämmungen
und Restholz aus dem Abbund für die
Wärme aus dem Kachelgrundofen
Lehm aus baunahem Aushub
Der Lehm stammte aus baunahem Aushub und wurde zu Baumaterial
verarbeitet. Der eigene Aushub war zu sandig. Lehm, Sand und Hackschnitzel wurde bauseitig
gelagert. Als Arbeitskräfte konnten vier Architekturstudentinnen der FH Nürnberg gewonnen werden.
Erste Mischungen des Hackschnitzellehms führten zu überraschend
guten Ergebnissen. Der Mischer in form eines Radladers, mit Zwangsmischer als Schaufel,
wurde zur wichtigesten und wertvollsten Maschine auf der Baustelle. Die ersten Innenwände
wurden mit Leisten versehen, mit Lehmschlämme gestrichen und mit der
Hackschnitzel-Lehmmischung gefüllt.
Erforderlich hierfür war eine Kletterschalung aus Brettern, die mit
Schreinerzwingen an den Pfosten befestigt wurden. Das Holzfachwerk sollte ja sichtbar
bleiben und sich auch nach Fertigstellung der Wände noch in einem ansehnlichen Zustand
befinden. Die Hackschnitzelmischung wurde so eingestellt dass sich für die Innenwände
eine Rohdichte von ca. 900 bis 1000 kg/m3 ergab und für die Aussenwände von ca. 800
kg/m3.
Hobelspäne als Wärmedämmung im
Dachgeschoss
Als Wärmedämmung im Dach wurden Hobelspäne unter Zusatz von
gelöschtem Kalk verwendet. Der Dachaufbau ist diffusionsoffen, die Kraftpapierbahn innen
hat einen sd-Wert von 3,9, die Bahn unter den Ziegeln von 0,02.
Abschirmung gegen Elektrosmog
Da in ca. 800 m Entfernung ein Mobilfunksendemast mit mindestens
acht Betriebern steht, entschieden wir uns, den gesamten Dachbereich sowie die geputzten
Ausswände im EG abzuschirmen. Realisiert wurde diese Abschirm-Massnahme im Dach und an
der Fassade im Erdgeschoss mit einem Putzgewebe, das leitfähig ist, und in das zur
Abschirmung hochfrequenter Wellen Edelstahdrähte eingewoben sind. Bei einem Preis von ca.
6 Euro/m2 ist es relativ kostengünstig.
Baudaten für die Bereiche Holz
und Lehm
Insgesamt wurden ca. 100 Festmeter
Holz ganzheitlich verwertet und somit ca 77.000 kg Kohlendioxid gespeichert. 4.000 Stück
10-Liter-Baueimer Hackschnitzellehm wurden von durchschnittlich acht bis zehn Händen
frisch gemischt in die Schalung eingebracht und verdichtet. Hätte man das gleiche
Gebäude mit gebranntem Ton gebaut, könnte man das fertige Holz-Lehm-Haus ca. 6 Jahre
lang heizen und hätte dann genausowviel Energie verbraucht wie allein zur Herstellung der
Ziegel notwendig gewesen wäre."
Joachim Weise, Baubiologe
(IBN)
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