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Weise
26.01.2008, 20:45
Arrest in der Krebszelle

Tumore des Kopf-Hals-Bereichs und des Dickdarms machen einen Großteil der Krebserkrankungen in Deutschland aus. Oftmals widersetzen sich die Krebsgeschwülste jedoch den gängigen Behandlungsmethoden durch die Bildung von Resistenzen. Den Tumorzellen sichert hierbei ein kleines Molekül namens Survivin ihr Überleben.

Einerseits hilft es, dem programmierten Zelltod zu entkommen, zum anderen geleitet es auch entartete Zellen sicher durch die Teilung. Der Arbeitsgruppe um dem Mainzer Biologen Roland Stauber gelang es, einen zugrundeliegenden Mechanismus aufzuklären: Survivin bindet an einen Rezeptor, der es vom Zellkern in das Zytoplasma schleust, und es zu Beginn der Zellteilung an die Chromosomen bringt. Dies zu verhindern ist nun das Ziel eines neuartigen krebstherapeutischen Ansatzes, in welchem kleine Moleküle die Wanderung von Survivin in der Krebszelle unterbinden sollen.


Die Tatsache, dass Tumorzellen Resistenzmechanismen zum Schutz gegen Krebstherapien entwickeln, ist sozusagen schon ein alter Hut. Auch eines der Schlüsselproteine, welches entscheidend an diesen Prozessen beteiligt ist, 'Survivin' - abgeleitet vom englischen 'to survive' (überleben) - feierte unlängst bereits seinen 10. Geburtstag. Survivin scheint dabei von den Tumorzellen als eine Art "Generalschlüssel" missbraucht zu werden, um sich gegen jene Mechanismen zu schützen, die in geschädigten Zellen den programmierten Zelltod (die Apoptose) auslösen.

Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass "dies dem Molekül besonders gut gelingt, wenn es sich im Zytoplasma der Zelle befindet - im Inneren des Zellkerns kann es scheinbar nicht so wirkungsvoll agieren", erläutert Roland Stauber. Ihm und seiner Arbeitsgruppe am Mainzer Universitätsklinikum gelang es somit, ein wenig mehr Licht ins Dunkel des Survivin'schen Wirkmechanismus zu bringen. Damit Survivin seine Doppelfunktion ausüben kann, dockt es an einen Rezeptor namens Exportin-1 an. Dieser sitzt normalerweise in der Kernmembran und sorgt für das Ausschleusen verschiedener Proteine in das Zytoplasma der Zelle. Während der Zellteilung wandert dieser Rezeptor jedoch kurzeitig an die Chromosomen - und mit ihm Survivin.

"Dort überwacht es gemeinsam mit drei anderen Proteinen als sogenannter 'Chromosomaler Passenger Complex' die korrekte Aufteilung und Weitergabe des Erbguts an die Tochterzellen. Krebszellen scheinen diesen Mechanismus jedoch zu missbrauchen, um ihre geschädigten und veränderten Chromosomen sicher durch die Zellteilung zu geleiten", so Stauber.

Die Erkenntnis, dass Survivin im Zellkern tatsächlich weniger effektiv zu sein scheint, konnte bereits anhand klinischer Daten bestätigt werden: Patienten, in deren Tumoren Survivin zu größeren Mengen im Zellkern nachweisbar war, hatten in der Tat deutlich bessere Überlebenschancen als Patienten mit Survivin im Zytoplasma. Deshalb will Arbeitsgruppe nun versuchen, dieses kleine Eiweiß durch therapeutisch wirksame Substanzen vom Zytoplasma in den Zellkern zu zwingen, um so die Überlebenschancen der Krebspatienten zu erhöhen.

"Da Survivin aufgrund seiner dualen tumorfördernden Rolle zugleich zwei verschiedene Angriffspunkte bietet, könnte die gerichtete Hemmung des Kernexports von Survivin nicht nur die Resistenzbildung sondern auch die Wachstumsrate von Krebszellen hemmen", so der Biologe. Substanzen, welche den Durchgang durch die Zellmembran komplett blockieren, sind zwar bereits bekannt, jedoch therapeutisch nicht nutzbar, da sie äußerst toxisch auf alle Zellen wirken. Daher will die Mainzer Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Berliner Zentrum für Molekulare Pharmakologie nach einem selektiven Schlüssel suchen.

Also nach einer Substanz, die möglichst nur dem Survivin-Protein den Weg durch die Zellmembran versperrt, so dass diesem der Weg an den Ort seiner Aktivität, dem Zytoplasma, verwehrt wird. Mit Hilfe selbst entwickelter zell-basierter Testsysteme wollen die Forscher umfangreiche chemische Substanzsammlungen durchforsten. Werden sie fündig, müssen die neuen Wirkstoffe zuerst ihre Wirksamkeit unter verschiedenen experimentellen Bedingungen im Labor unter Beweis stellen.

Falls die Substanzen tatsächlich in der Lage sind, selektiv das Wachstum und das Überleben der Tumorzellen zu inhibieren, könnte dies die vielversprechende Grundlage für vorklinischen Studien sein, und damit zur Etablierung neuer Therapieoptionen für Krebspatienten führen.

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Roland H. Stauber, Mainz
Tel.: +49 (6131) 17-7002, E-Mail: rstauber@uni-mainz.de, Web: www.stauber-lab.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 150.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen: www.wilhelm-sander-stiftung.de


http://idw-online.de/pages/de/news244367

Weise
20.03.2008, 22:36
Fette dienen nicht nur als Bausteine für Zellmembranen und als Energielieferanten für Zellen, sondern können auch als Signalmoleküle wirken, indem sie gezielt in zelluläre Prozesse wie Zellteilung und Zelltod eingreifen. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass dem Fett-Botenstoff Sphingosin-1-Phosphat eine mögliche das Krebswachstum fördernde Funktion zukommt.

So regt es nicht nur die Zellteilung an, sondern schützt auch aktiv vor Zelltod. Zudem fördert Sphingosin-1-Phosphat die Migration von Tumorzellen, eine wichtige Voraussetzung für die Metastasierung. Damit eröffnet sich ein vielversprechendes Feld für zukünftige neue Therapieansätze bei Tumorerkrankungen.

In der Arbeitsgruppe von Frau Professor Andrea Huwiler am Institut für Pharmakologie der Universität Bern wird untersucht, ob die zwei Sphingosin-1-Phosphat generierenden Enzyme, die Sphingosinkinase-1 und -2, als neue Angriffspunkte für zukünftige therapeutische Ansätze der Tumorbehandlung dienen können.

In Kulturen von Brustkrebszellen konnte gezeigt werden, dass speziell die Sphingosinkinase-1 durch krebsrelevante Wachstumsfaktoren wie Östrogen, Prolaktin oder den epidermalen Wachstumsfaktor EGF hochreguliert wird und dieses Enzym dann Zellwachstum und Zellmigration fördert. Gezeigt werden konnte dieses durch genetische Entfernung der Sphingosinkinase 1 in deren Gefolge sowohl das Zellwachstum, als auch die Migration der Krebszellen blockiert wurde. In diesen Kontext passt auch die Beobachtung, dass die Sphingosinkinase-1 in verschiedenen Tumorgeweben im Vergleich zu Normalgewebe verstärkt gefunden wird.

Diese Studien in Bern werden in enger Kollaboration mit Professor Josef Pfeilschifter vom Institut für Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main gemacht.

Kontakt: Prof. Dr. A. Huwiler, Bern
Tel: +41 31 632 32 14 Fax: +41 31 632 49 92
e-Mail: Huwiler@pki.unibe.ch

http://idw-online.de/pages/de/news251513

Weise
21.03.2008, 11:00
Das Immunsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Verhinderung von malignen Erkrankungen. Mittlerweile ist klar, dass eine Krebserkrankung nur dann entsteht, wenn es entarteten Zellen gelingt, der Überwachung durch das Immunsystem zu entkommen.

Insbesondere bei der Entstehung bzw. Verhinderung von Leukämien spielen, neben anderen Komponenten des Immunsystems, die Natürlichen Killerzellen (NK Zellen) des Organismus eine zentrale Rolle. Durch welche Mechanismen es Leukämiezellen gelingen kann, den NK Zellen zu entkommen untersucht eine Arbeitsgruppe um den Tübinger Mediziner Helmut Salih. Ziel des von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projektes ist es, hierbei detailliert die Rolle eines Eiweißmoleküls aufzuklären, durch welches Leukämiezellen die Reaktivität von NK Zellen hemmen können. Durch ein besseres Verständnis dieses Mechanismus soll es gelingen, die Immunlage therapeutisch zu Gunsten von Leukämiepatienten zu beeinflussen.


NK Zellen spielen als erste Verteidigungslinie des Immunsystems eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr von Tumoren. Jüngste Daten belegen insbesondere die Bedeutung von NK Zellen bei der Immunüberwachung von Leukämien. Die Mechanismen, durch welche NK Zellen ihre Zielzellen erkennen und abtöten sind erst in den letzten Jahren besser verstanden worden.

Man weiß nun, dass die Reaktivität von NK Zellen durch eine Balance aus verschiedenen aktivierenden und hemmenden Eiweißmolekülen (Rezeptoren) reguliert wird.

Zur Rolle des Rezeptors CD137 bei NK Zellen im Menschen ist bisher nichts bekannt. In Mausmodellen wurde gezeigt, dass eine Aktivierung von CD137 eine Immunreaktion gegen Tumoren auslösen kann. Erstaunlicherweise wurde von uns beobachtet, dass die Reaktivität von menschlichen NK Zellen, im Gegensatz zur Situation in der Maus, durch CD137 gehemmt wird.

Zudem fanden wir, dass Leukämiezellen den Gegenpart von CD137, den CD137 Liganden, auf ihrer Oberfläche aufweisen und damit über CD137 angreifende NK Zellen gewissermaßen lähmen können. Zudem ermöglicht der CD137 Ligand den Leukämiezellen, bestimmte Zytokine (die Botenstoffe des Immunsystems) zu produzieren, welche eine Immunreaktion in Patienten unterdrücken können. In dem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt soll nun detailliert erarbeitet werden, welche Vorteile der CD137 Ligand den Leukämiezellen erbringt und über welche molekularen Mechanismen dies erfolgt.

Zudem soll erarbeitet werden, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass Leukämiezellen mit dem CD137 Liganden die Reaktivität von CD137-exprimierenden NK Zellen hemmen können. Hierbei soll vor allem auch die Diskrepanz zur Situation in der Maus aufgeklärt werden. Zudem wird noch erarbeitet, ob der Nachweis von CD137 Ligand bei Patienten mit Leukämien dazu dienen kann, eine Patientengruppe mit einer schlechteren Prognose zu identifizieren. Ziel ist die umfassende Charakterisierung der Rolle von CD137 und seinem Liganden bei der Immunüberwachung von Leukämien durch NK Zellen, um durch eine gezielte Beeinflussung/Blockade dieses Molekülsystems die Immunreaktion von NK Zellen in Patienten mit Leukämien zu verstärken.

Kontakt: Prof. H. Salih, Tübingen
Tel. +49 (7071) 298 2711 Fax +49 (7071) 294391
e-mail: helmut.salih@med.uni-tuebingen.de

http://idw-online.de/pages/de/news251424

Weise
28.03.2008, 20:57
Lang haben Wissenschaftler geglaubt, dass die körpereigene Abwehr Krebs nur bekämpfen, nicht aber unterstützen würde. Jüngere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass das Immunsystem die Krebsentwicklung sogar vorantreiben kann.

Dr. David DeNardo aus der Forschungsgruppe von Prof. Lisa Coussens von der University of California, San Francisco, USA, berichtete auf dem internationalen Kongress "Invasion und Metastasis" des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch wie Tumore das Immunsystem nutzen, um schneller zu wachsen und sich im Körper zu verbreiten.

Dringen bei einer Verletzung Keime in die Wunde ein, weiß der Körper sich zu schützen. Abwehrzellen erkennen die Erreger und lösen eine Entzündung aus, um eine Infektion einzudämmen. Von diesem Warnruf angelockt, wandern viele verschiedene Zellen des Immunsystems zum Entzündungsherd und helfen, den Eindringling zu bekämpfen. Die verletzte Stelle rötet sich, wird heiß und empfindlicher und schwillt an. Ist die Heilung abgeschlossen, lässt die Entzündung nach und die Abwehrzellen ziehen sich zurück.

Stoßen Immunzellen auf Tumorzellen, können sie ebenfalls eine Entzündung auslösen. Im Gegensatz zu einer normalen Verletzung ziehen sich jedoch die Abwehrzellen häufig nicht zurück, sondern verursachen eine andauernde, chronische Entzündung. "Man bezeichnet Tumore deshalb auch als Wunden, die niemals heilen", erklärte Dr. DeNardo.

Während der normalen Wundheilung bekämpfen die angelockten Immunzellen nicht nur die Eindringlinge, sondern erzeugen auch Wachstumsfaktoren und sogenannte Proteasen, Enzyme, die das Bindegewebe zwischen Zellen umstrukturieren. Außerdem bilden sich zusätzliche Blutgefäße, um das verletzte Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Blutgefäßneubildung bezeichnen Forscher als Angiogenese. "Sie soll dem Körper helfen, eine Wunde schneller zu verschließen", sagte Dr. DeNardo.

"Die Krebszellen aber nutzen diese Prozesse für ihre eigenen Interessen." So lassen die Wachstumsfaktoren die Tumorzellen schneller wachsen, während die Proteasen das Bindegewebe zwischen Zellen umstrukturieren und es so einzelnen Krebszellen ermöglichen, sich von ihrem Ursprungstumor zu lösen.

Doch auch bei der Bildung von Metastasen, den gefährlichen Tochtergeschwülsten eines Tumors, hilft die Angiogenese. Die neuen Blutgefäße sorgen dafür, dass eine einzelne, vom Primärtumor abgelöste Krebszelle rascher Anschluss an das Blutsystem findet. Da Abwehrzellen zu den weißen Blutzellen gehören, gelangen sie über das Blutgefäßsystem zum Entzündungsort.

"Forscher versuchen, Strategien zu entwickeln, um diese Entzündungsprozesse zu stoppen, um so Krebspatienten zu helfen", hofft Dr. DeNardo. Schon jetzt konnte gezeigt werden, dass Patienten, die regelmäßig Acetylsalicylsäure einnehmen, seltener an Metastasen bestimmter Tumoren erkranken. Der Wirkstoff hemmt die Entzündung und blockiert damit die Prozesse, die dem Krebs helfen zu wachsen und sich auszubreiten.

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de/news

Weitere Informationen:
http://cancer.ucsf.edu/coussens/


Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news252647

Weise
28.03.2008, 22:18
Bisher sprachen Ärzte von "dem" bösartigen Tumor. Die den Tumor bildenden Tumorzellen wurden als uniforme Masse bösartiger Zellen betrachtet. Man nahm an, dass jede Tumorzelle gleich fähig wäre, unbegrenzt zu wachsen. Seit einigen Jahren weiß man, dass diese Vorstellung bei Leukämien, Hirntumoren, Brustkrebs und einer wachsenden Zahl von anderen Krebsarten wohl nicht zutrifft.

Hier scheinen einige wenige Zellen, Tumorstammzellen genannt, das Verhalten des gesamten Tumors zu bestimmen. Man glaubt, dass diese Tumorstammzellen abgetötet werden müssen, um solche Tumoren auszumerzen. Die Gruppe um den Ulmer Krebsforscher Christian Beltinger hat sich zur Aufgabe gesetzt, solche Tumorstammzellen im Neuroblastom und dem Ewing-Sarkom, zwei bösartigen Tumorerkrankungen im Kindesalter, zu finden.


Trifft das Konzept der Tumorstammzellen zu, dann kann das weitreichende Konsequenzen für das klinische Vorgehen haben. Es könnte sein, dass die Zahl und die Funktion der wenigen Tumorstammzellen im Tumor und seinen Metastasen für die Prognose, die Einteilung der Patienten in Gruppen mit hohem oder niedrigem Risiko, die Beurteilung des Therapieansprechens und das Wiederauftreten einer Tumorerkrankung ausschlaggebend sind. Vor allem aber könnte ein Tumor, der Tumorstammzellen enthält, nur dann erfolgreich therapiert werden, wenn auch die Tumorstammzellen abgetötet werden.

Es verdichten sich die Hinweise, dass die sich langsam teilenden Tumorstammzellen vergleichsweise widerstandsfähig sind gegen herkömmliche Chemo- und Strahlentherapie, die bevorzugt sich schnell teilende Zellen trifft. Darüber hinaus besitzen Tumorstammzellen Pumpen, die Krebsmedikamente aus der Krebszelle transportieren, so dass diese nicht wirken können.

Therapien, die auch die Tumorstammzellen treffen, ohne die Gewebestammzellen zu beeinträchtigen, müssen entwickelt werden.

Bei Neuroblastomen und Ewing-Sarkomen vermutet man, dass sie aus stammzell-ähnlichen Zellen des normalen Gewebes, sog. Vorläuferzellen, entstehen. Diese normalen Vorläuferzellen besitzen einige Eigenschaften, die auch Tumorstammzellen auszeichnen. Jedoch stehen diese Eigenschaften beim Gesunden unter strenger Kontrolle, so dass kein Tumor entsteht.

Könnte es sein, dass bei der Entstehung dieser Tumoren nur einige wenige Schranken niedergerissen werden müssen, damit diese Zellen schrankenlos wachsen können, also Tumorstammzellen werden? So spannend diese Frage für die Krebsforscher um Christian Beltinger ist, die wirkliche Bedeutung ihrer Forschung sehen sie in der Perspektive, die Risikoeinschätzung und die Therapie dieser Krebserkrankungen zu verbessern. Bis dahin ist jedoch noch viel vorklinische Arbeit im Labor notwendig.

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Beltinger, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Ulm

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 150.000 €.



Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news252159

Weise
02.05.2008, 19:03
Heidelberger Wissenschaftler zeigen erstmals, dass sich die Menge an Tumorstammzellen auf das Überleben von Hirntumorpatienten auswirkt / Veröffentlichung in "Clinical Cancer Research"


In bösartigen Hirntumoren gibt es sogenannte Tumorstammzellen. Je größer die Anzahl solcher Stammzellen in einem Hirntumor, desto schneller und aggressiver wird er sich weiterhin ausbreiten. Erstmals haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg in Kooperation mit Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg mit Hilfe eines speziellen Markers gezeigt, das die Anzahl dieser aggressiven und potentiell unsterblichen Zellen in Gehirntumoren einen unmittelbaren Einfluss auf die Prognose für den Patienten hat.

Die Arbeit wurde im Januar 2008 in dem renommierten Journal "Clinical Cancer Research" der "American Association for Cancer Research" veröffentlicht. Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für zielgerichtete Therapien.

Hirntumoren entwickeln sich aus den Stützzellen des Gehirns - den Gliazellen - oder deren Vorläuferzellen und werden als Gliome bezeichnet. Rund 6.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Gliomen, die sich vorwiegend zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr entwickeln. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Gliome werden nach der international gültigen Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die Grade I bis IV eingeteilt. Tumoren des Grades IV haben die schlechteste Prognose: Nach fünf Jahren leben noch weniger als zwei Prozent der Betroffenen.

Anzahl der Stammzellen gibt Auskunft über Fortschreiten der Erkrankung

Selbst gutartige Gliome der Grade I und II entwickeln sich häufig zu bösartigen Formen weiter. "Durch den Nachweis von Tumorstammzellen können wir die weitere Entwicklung eines Hirntumors besser einschätzen", erklärt Dr. Rezvan Ahmadi, Fachärztin für Neurochirurgie an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und eine der beiden Erstautoren der Studie aus der Klinik. "Finden wir im Gewebe eines entnommenen Glioms viele Tumorstammzellen, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Tumor in naher Zukunft ein bösartiges Rezidiv bildet."

"Bisher war die klinische Bedeutung der Tumorstammzellen in den verschiedenen Stadien der Hirntumoren nur Hypothese, der Nachweis stand noch aus", erklärt Felix Zeppernick, ebenfalls Erstautor der Studie. Bei den Tumorstammzellen handelt es sich um Krebszellen, die - ähnlich den Stammzellen des Körpers - noch weiter ausreifen können. "Sie sind in ihrer Entwicklung noch flexibel, können sich sehr gut regenerieren und sind daher gegen die meisten Therapien resistent. Aus ihnen bilden sich nach einer Behandlung wieder neue Tumoren", so Privatdozentin Dr. Christel Herold-Mende, die Seniorautorin und Leiterin der Arbeitsgruppe. Aus welchen Zellen die Tumorstammzellen selbst hervorgehen ist noch unklar; möglicherweise entstehen sie durch genetische Veränderungen aus den normalen Stammzellen der verschiedenen Gewebe.

Neuer Angriffspunkt für effektive Therapien

Die wandlungsfähigen Zellen haben mit den gutartigen Stammzellen Teile des äußeren Erscheinungsbildes gemein: das Oberflächenprotein CD133. "Wir können mit einer speziellen Färbung die Zellen sichtbar machen, die CD133 auf ihrer Oberfläche tragen. In den Gehirntumoren sind das fast ausschließlich Tumorstammzellen", so Dr. Ahmadi. Die Heidelberger Forschungsgruppe untersuchte Material aus 95 Gliomen unterschiedlicher Grade. "Wir verglichen unsere Ergebnisse mit den Patientendaten und stellten fest, dass die Menge der Stammzellen direkt mit dem Krankheitsverlauf korreliert ist. Je mehr Stammzellen, desto ungünstiger der weitere Verlauf", erklärt die Neurochirurgin.

"Es genügt uns allerdings nicht, nur eine genauere Prognose stellen zu können", sagt Privatdozentin Dr. Christel Herold-Mende. "Uns stehen nun Angriffspunkte für neue, effiziente Therapien zur Verfügung."

So kann man z.B. mit speziellen Wirkstoffen die Tumorstammzellen dazu zwingen, sich auszudifferenzieren, sich also auf eine Form und Funktion festzulegen. Erfolge im Tierversuch zeigen, dass sie damit ihre Therapieresistenz verlieren und empfindlicher gegen Chemotherapeutika werden.

Es bleibt zudem zu prüfen, ob der Zellmarker CD133 bei anderen Krebsarten eine ähnlich zuverlässige Aussagekraft für die Prognose besitzt.

Literatur:
Felix Zeppernick, Rezvan Ahmadi, Benito Campos, Christine Dictus, Burkhard M. Helmke, Natalia Becker, Peter Lichter, AndreasUnterberg, Bernhard Radlwimmer, Christel C.Herold-Mende: StemCell Marker CD133 Affects Clinical Outcome in Glioma Patients; Clin Cancer Res 2008, 14(1), 123 - 129.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)

Ansprechpartnerin:
PD Dr. Christel Herold-Mende
Leiterin der Sektion Neurochirurgische Forschung
Neurochirurgische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 6405
Fax: 06221 / 56 5362
E-Mail: H.Mende@med.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news258258

Weise
15.06.2008, 15:13
Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Er bleibt oft unbemerkt. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben jetzt gemeinsam mit Ärzten der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein neues Verfahren entwickelt, das dabei helfen könnte, Tumoren in der Prostata zuverlässiger zu erkennen. Es gründet darauf, dass bestimmte Gene im Prostata-Gewebe von Krebspatienten anders abgelesen werden als bei gesunden Männern.

Erhärtet sich bei einem Patienten der Verdacht auf einen Prostata-Tumor, etwa durch eine erhöhte Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut, entnimmt der Arzt Gewebeproben (Biopsien) aus der Prostata und überprüft sie auf Krebszellen. Das Problem: Die Größe und die räumliche Lage des Tumors sind zunächst oft unbekannt. Bei der Biopsie kann es deshalb vorkommen, dass die feine Biopsienadel die Wucherung rein zufällig verfehlt und nur tumorfreies Gewebe entnommen wird. In diesem Fall bleibt der Krebs unerkannt. "Das geschieht in etwa dreißig Prozent der Krankheitsfälle", sagt Holger Sültmann von der Abteilung Molekulare Genomanalyse am DKFZ.

Sültmann und seine Kooperationspartner entwickelten deshalb einen zuverlässigeren Test für Prostatakrebs. Sie untersuchten, ob im Prostata-Gewebe von gesunden Männern eine andere Gen-Aktivität vorherrscht als im normalen (also tumorfreien) Prostata-Gewebe von Krebspatienten. Dazu zogen sie Prostata-Biopsien von 114 Männern heran.

Mit Hilfe der so genannten Microarray-Technologie fanden die Wissenschaftler fünf Gene, die bei Gesunden und Krebskranken deutlich unterschiedlich abgelesen werden. Es handelt sich um die Gene FOS, EGR1, MYC, TFRC und FOLH1. "Die Aktivität dieser Gene zeigt an, ob sich in der Prostata ein Tumor gebildet hat - und zwar unabhängig davon, ob die Gewebeprobe Tumorzellen enthält oder nicht", schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "European Urology" (Schlomm et al. Molecular Cancer Phenotype in normal Prostate Tissue; DOI: 10.1016/j.eururo.2008.04.105).

Möglicherweise kann man Prostata-Tumoren mit solchen genetischen Tests wesentlich verlässlicher nachweisen als das bisher möglich war. Für sichere Aussagen hierzu ist es jedoch zu früh. "Unsere Ergebnisse sind als vorläufig zu betrachten und noch nicht in der klinischen Routine einsetzbar", betont Sültmann. "Mit unseren Partnern in Hamburg sind wir derzeit dabei, sie in weiteren Studien zu überprüfen."

Prostatakrebs manifestiert sich oft im fortgeschrittenen Alter, meist jenseits der 50. Etwa jeder zehnte Mann ist betroffen. In Deutschland wird jährlich bei mehr als 58 000 Männern ein Prostata-Tumor diagnostiziert, etwa 12 000 Männer sterben jedes Jahr daran. Eine Heilung gelingt meist nur im Frühstadium der Krankheit. Deshalb ist es wichtig, die Störung rechtzeitig zu erkennen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen (http://www.dkfz.de/pressemitteilungen)

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968


Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news265336

Weise
03.10.2008, 12:17
Pflanzlicher Wirkstoff im Labor erfolgreich bei Bauchspeicheldrüsenkrebs / Heidelberger Forscher veröffentlichen in "GUT"


Broccoli ist nicht nur reich an Mineralstoffen und Vitaminen, sondern auch an einem Wirkstoff gegen Krebsstammzellen des Bauchspeicheldüsenkrebs: Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben entdeckt, dass der Broccoli-Inhaltsstoff Sulforaphan resistente Tumorstammzellen in Pankreastumoren verwundbar macht. Dies wurde im Tierversuch gezeigt, wo keine Nebenwirkungen auftraten. Die Forschungsergebnisse sind in der aktuellen online First Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift "GUT" veröffentlicht worden.

Rund 12.650 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einem Pankreaskarzinom, einem äußerst aggressiven Tumor der Bauchspeicheldrüse. Häufig wird die Erkrankung erst spät bemerkt. Nur wenige Patienten überleben die Diagnose länger als ein Jahr.

Das Pankreaskarzinom breitet sich aggressiv aus, setzt Absiedlungen in anderen Organen und ist gegenüber gängigen Therapien weitgehend unempfindlich. Verantwortlich dafür sind vermutlich sogenannte Krebsstammzellen, die sich sehr gut regenerieren können und daher gegen Medikamente und Bestrahlung resistent sind.

"In anderen Tumor sind in der Regel weniger als drei Prozent der Krebszellen Tumorstammzellen. Das Pankreaskarzinomen beherbergt dagegen 10 Prozent und mehr solcher aggressiven Zellen", erklärt die Seniorautorin des Artikels, Professor Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare OnkoChirurgie, einer Kooperation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Geschäftsführender Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler) und dem DKFZ.

Je mehr Tumorstammzellen, desto aggressiver der Tumor

Die Gruppe wies anhand typischer Oberflächenproteine die Krebsstammzellen in Tumorproben von Patienten nach. "Es zeigte sich, dass der Tumor umso gefährlicher und resistenter war, je mehr Tumorstammzellen er enthielt", sagt Georgios Kallifatidis, Nachwuchswissenschaftler an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und Erstautor des Artikels.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass selbst neuartige und bei anderen Tumoren wirksame Krebsmedikamente nichts gegen die Tumorstammzellen in Pankreaskarzinomen ausrichten konnten: Die Zellen schützen sich mit einem speziellen Mechanismus, dem NF-kB-Signalweg, der an der ausgeprägten Therapieresistenz des Pankreaskarzinoms beteiligt zu sein scheint.

Pankreaskarzinom wird für Therapie empfänglich gemacht

Wirkstoffe, die genau diesen Signalweg blockieren und damit die gefährlichen Zellen verletzlich machen, liefert die Natur: Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler wie Broccoli, Blumenkohl, Rosenkohl oder Grünkohl haben einen hohen Gehalt an Sulforaphan, einem Wirkstoff gegen Krebs.

Es schützt Körperzellen vor Schäden im Erbgut und leitet den Zelltod ein, wenn Zellen sich unkontrolliert teilen. Broccoli hat von allen diesen Gemüsearten den höchsten Sulforaphan-Gehalt.

Versuche mit Zellkulturen, Mäusen und frisch isolierten Tumorzellen von Patienten zeigten: Sulforaphan hemmte die Blutgefäßbildung im Tumor und das Tumorwachstum, ohne dabei Nebenwirkungen zu verursachen.

In Kombination mit Krebsmedikamenten verstärkte sich dieser Effekt noch. "Bereits im letzten Jahr zeigte eine groß angelegte kanadische Studie mit 1338 Patienten mit einem Prostatakarzinom, dass ein hoher Verzehr von Broccoli und auch Blumenkohl die Patienten vor der Metastasierung des Tumors schützen konnte", sagt Professor Herr.

Im Herbst 2008 starten die Heidelberger Wissenschaftler eine klinische Studie: Patienten mit einem Pankreaskarzinom erhalten begleitend zur herkömmlichen Therapie auch Sulforaphan. "Wir wollen prüfen, ob die Patienten von der zusätzlichen Einnahme von Sulforaphan profitieren, welche Menge dazu notwendig ist und ob allein der Verzehr von Broccoli und Blumenkohl die Krebstherapie unterstützen kann", so Professor Herr.

Publikation:
Kallifatidis G, Rausch V, Baumann B, Apel A, Beckermann BM, Groth A, Mattern J, Li Z, Kolb A, Moldenhauer G, Altevogt P, Wirth T, Werner J, Schemmer P, Büchler MW, Salnikov AV, Herr I (2008) Sulforaphane targets pancreatic tumor-initiating cells by NF-kB-induced anti-apoptotic signaling. GUT, in press.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/MOC

Kontakt:
Prof. Dr. Ingrid Herr
Chirurgische Universitätsklinik
Allgemein-, Viszeral-, Transplantationschirurgie
Fax: 06221/56 6119
E-Mail: i.herr@dkfz.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news281221

Weise
25.10.2008, 09:44
Viele Tumorzellen erweisen sich als resistent gegenüber klassischen Tumortherapien, so dass der Suche nach alternativen Behandlungswegen besondere Bedeutung zukommt. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) versuchen derzeit, Tumorzellen durch oxidativen Stress für den Zelltod zu sensitivieren. In ersten Versuchen eines von der Wilhelm Sander Stiftung geförderten Projektes konnten die Heidelberger Forscher bereits zeigen, dass Tumorzellen durch reaktive Sauerstoffverbindungen in den Zelltod getrieben werden können.


Dr. Karsten Gülow und sein Team in der Abteilung von Prof. Dr. Peter H. Krammer am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) versuchen, die oxidative Abwehr von Tumorzellen zu schwächen, um sie so anfällig für oxidativen Stress zu machen. Krebszellen weisen im Vergleich zu gesunden Zellen eine deutlich erhöhte Teilungsrate auf. Durch diese extreme Vermehrung entsteht ein höherer Energiebedarf, der im Allgemeinen mit einer erhöhten Produktion reaktiver Sauerstoffverbindungen einhergeht. Tumorzellen brauchen daher eine effektive oxidative Abwehr, die die Zellen vor diesen reaktiven Verbindungen schützt.

Wird nun die Expression eines oder mehrerer Proteine der oxidativen Abwehr gestört, sammeln sich reaktive Sauerstoffverbindungen an. In Krebszellen beobachtet man dies besonders, da diese wesentlich abhängiger von der oxidativen Abwehr sind als normale Zellen. Die Tumorzellen können diesen oxidativen Stress jedoch nicht bewältigen und sterben ab (siehe Abbildung).

Diese ersten Ergebnisse der DKFZ-Forscher zeigen somit neue, vielversprechende Möglichkeiten in der Krebstherapie auf. Professor Dr. Peter H. Krammer erklärte: "Nun müssen die optimalen Ziel-Proteine und Behandlungsstrategien ermittelt werden, um Tumore über oxidativen Stress in den Tod zu treiben."

Es ist geplant, das Heidelberger Forschungsprojekt in Kooperation mit der Universität Mannheim fortzusetzen. Hierbei sollen Krebszellen des Immunsystems aus Patienten als Modell für den durch oxidativen Stress induzierten Zelltod dienen.

Kontakt: Prof. Dr. Peter H. Krammer, Heidelberg, Tel. +49(6221)423718; Fax +49 6221)411715
Dr. Karsten Gülow, Heidelberg, Tel. +49(6221)423765; Fax +49(6221)411715

Weitere Informationen: www.wilhelm-sander-stiftung.de


Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news281558

Weise
15.03.2009, 22:05
Tumorzellen und gesunde Zellen unterscheiden sich erheblich in ihrer Stoffwechselleistung. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum machten sich diesen Unterschied zunutze: Durch die Freisetzung von zellulärem Eisen konnten sie gezielt Tumorzellen in den Tod treiben.


Das schnelle Wachstum von Krebszellen und ihre häufigen Teilungen haben ihren Preis: Krebszellen haben einen deutlich höheren Energiebedarf als gesunde Zellen. Ihr auf Hochtouren laufender Stoffwechsel benötigt große Mengen an Spurenelementen, insbesondere an Eisen. Jedoch führt ein hoher Eisenspiegel in der Zelle zur Produktion von extrem schädlichen freien Radikalen. Um sich davor zu schützen, inaktiviert die Zelle das freie Eisen durch die Bindung an so genannte Eisenspeicherproteine.

In Zusammenarbeit mit Ärzten der Klinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Mannheim untersuchten Dr. Karsten Gülow und Professor Dr. Peter Krammer, Leiter der Abteilung Immungenetik im Deutschen Krebsforschungszentrum, das Sézary-Syndrom, eine besonders aggressive Form des kutanen T-Zell-Lymphoms. Die meisten bisher verfügbaren Behandlungen können gegen diese tödlich verlaufende Krebserkrankung wenig ausrichten.

Gülow und Kollegen gelang es mit einem molekularbiologischen Trick, in den Lymphomzellen die Produktion eines der Eisenspeicherproteine zu blockieren. Dadurch steigt der Gehalt von freiem, ungebundenem Eisen in der Zelle. Das Eisen kurbelt die Bildung von freien Sauerstoffradikalen an, die oxidativen Stress auslösen und damit die Krebszellen schädigen und in den Tod treiben. Gesunde Zellen mit ihrem niedrigeren Eisenspiegel dagegen überstehen die Behandlung unbeschadet.

Die DKFZ-Forscher haben bereits Hinweise dafür gefunden, dass der Eiseneffekt auch bei anderen Lymphomen wirksam ist. Sie prüfen nun, ob sich die gezielte Eisenfreisetzung für die Entwicklung einer neuartigen Form der Krebstherapie eignet.

Michael K. Kiessling, Claus D. Klemke, Marcin M. Kami?ski, Ioanna E. Galani, Peter H. Krammer, and Karsten Gülow: Inhibition of constitutively activated NF-kappaB induces ROS- and iron dependent cell death in cutaneous T cell lymphoma. Cancer Research 2009; DOI:10.1158/0008-5472.CAN-08-3221.

Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de (http://www.dkfz.de/)


Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news304522

Weise
23.05.2009, 13:13
Ob Blut-, Darm- oder Brustkrebs: Bei etwa 80 Prozent aller Tumorkrankheiten ist in den Krebszellen das Gen p53 mutiert. Welche Folgen das hat, beschreiben Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität Würzburg im Fachblatt Cancer Research.

Neue Blutkörperchen entstehen, Zellen der Darmschleimhaut erneuern sich, verbrauchte Hautzellen werden ersetzt - Zellen teilen sich ständig im Körper des Menschen. Kommt es dabei zu Fehlern, droht Gefahr: Krankheiten können entstehen, beispielsweise Krebs, und darum kontrolliert der Organismus diesen komplizierten Prozess sehr sorgfältig.

Das Gen p53 enthält den Bauplan für ein Protein, das für einen geregelten Ablauf der Zellteilung wichtig ist. Generell sind es Proteine, die eine Zellteilung vorantreiben und kontrollieren. Ihre Produktion in der Zelle folgt darum einem genauen Zeitschema. Die Gene, nach deren Vorgaben die Proteine aufgebaut werden, müssen also zu ganz bestimmten Zeitpunkten an- und wieder abgeschaltet werden. "Vor allem muss sichergestellt sein, dass diese Gene nach einer Zellteilung deaktiviert werden; sonst wächst die Zelle unkontrolliert weiter", sagt Professor Stefan Gaubatz.

DNA-Schäden rufen das Protein p53 auf den Plan

Bei jeder Zellteilung gibt es bestimmte Kontrollpunkte, an denen die Zelle den ordnungsgemäßen Ablauf der Teilung überprüft, eventuell entstandene Schäden aufspürt und repariert. Falls die DNA beschädigt wurde, tritt das Protein p53 auf den Plan: Es sorgt dafür, dass sich von einem größeren Proteinkomplex namens LINC ein Teil ablöst, das die Bezeichnung B-MYB trägt. Der verbleibende Rest des Komplexes legt dann Gene still, die das Wachstum der Zelle vorantreiben. Die verlangsamt daraufhin ihr Wachstum und gewinnt so ausreichend Zeit, um die Schäden zu reparieren. Diesen Mechanismus hat die Arbeitsgruppe von Stefan Gaubatz aufgeklärt.

Ohne p53 häufen sich Defekte an

In vielen Krebszellen ist p53 mutiert und hat dadurch seine Funktion verloren. "Die Tumorzellen können den Zellzyklus dann nicht mehr vollständig anhalten", erklärt der Würzburger Forscher. Dadurch werden sie schlampig und hastig: Defekte an der DNA werden nicht repariert, doch die Zellteilung läuft weiter. Schäden häufen sich an und machen den Tumor möglicherweise immer schlechter therapierbar. Denkbar ist außerdem, dass dieser Mechanismus die Krebsentstehung überhaupt erst auslöst.

Was genau passiert in den Krebszellen mit mutiertem p53? Das Team von Gaubatz hat es an Zellkulturen herausgefunden: Selbst wenn es bei der Zellteilung zu Schäden an der DNA kommt, bleibt die Zusammensetzung des LINC-Proteinkomplexes konstant - der Proteinteil B-MYB löst sich nicht mehr ab. Experimentell sorgten die Forscher dann dafür, dass dieser Schritt doch vollzogen wird. Ergebnis: Die Krebszellen waren wieder dazu fähig, den Teilungsprozess anzuhalten.

Die nächsten Forschungsschritte

Der nächste Schritt bestehe nun darin, diesen Effekt am Tiermodell zu überprüfen. Außerdem wollen die Wissenschaftler genauer untersuchen, wie B-MYB und der Proteinkomplex reguliert werden. Von ihrer Arbeit erhoffen sie sich letzten Endes neue Ansätze für eine verbesserte Behandlung von Krebs.

Die Wilhelm-Sander-Stiftung (München) fördert das Projekt ebenso wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Transregio-Sonderforschungsbereichs TR17.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Stefan Gaubatz, Lehrstuhl für Physiologische Chemie I, T (0931) 31-84138, stefan.gaubatz@biozentrum.uni-wuerzburg.de

"B-MYB is required for recovery from the DNA damage-induced G2 checkpoint in p53 mutant cells", Mirijam Mannefeld, Elena Klassen, Stefan Gaubatz, Cancer Research, 2009, 69 (9), Seiten 4073-4080, doi:10.1158/0008-5472.CAN-08-4156

Hinweis für Redaktionen / Journalisten:
Eine pdf-Datei mit der Originalpublikation aus Cancer Research können Sie bei der Pressestelle der Universität Würzburg bekommen, presse@zv.uni-wuerzburg.de

Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news314748

Weise
28.06.2009, 13:23
Daten von rund 130.000 in der AOK versicherten Diabetes-Patienten ausgewertet / Wissenschaftler von IQWiG und WIdO publizieren gemeinsame Analyse.


Wenn Patienten mit Diabetes anstelle von Humaninsulin das langwirksame Analoginsulin Glargin verwenden, erhöht dies möglicherweise das Risiko, an Krebs zu erkranken. Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben zusammen mit Mitarbeitern des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) die Daten von fast 130.000 deutschen Patienten mit Diabetes analysiert, die zwischen Januar 2001 und Juni 2005 mit Humaninsulin oder den Analoginsulinen Lispro (Handelsname Humalog), Aspart (Novorapid) oder Glargin (Lantus) behandelt worden waren.

Das beunruhigende Ergebnis der Analyse, die jetzt gemeinsam mit weiteren Studien in der Fachzeitschrift Diabetologia, dem offiziellen Organ der European Association for the Study of Diabetes (EASD) veröffentlicht wurde: Mit Glargin behandelte Patienten erkrankten häufiger an Krebs als diejenigen, denen eine vergleichbare Dosis Humaninsulin verordnet wurde.

"Unsere Auswertung ist zwar kein eindeutiger Beweis, dass Glargin Krebs fördert", sagt Peter T. Sawicki, Leiter des IQWiG und Mitautor der Studie, "allerdings weckt unsere Studie einen dringenden Verdacht, der Folgen für die Behandlung der Patienten haben sollte."

Für die kurzwirksamen Insulinanaloga Lispro und Aspart fand sich kein Unterschied zu Humaninsulin. Insulinanaloga sind künstliche Moleküle, die natürlicherweise nicht vorkommen. Dagegen entspricht Humaninsulin dem Insulin, das der menschliche Körper selbst herstellt.

Ist Glargin die Ursache?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter des IQWiG betonen, dass der gefundene Zusammenhang zwischen der Verordnung von Glargin und einem höheren Krebsrisiko eine sogenannte statistische Assoziation ist. Es könnte also sein, dass nicht Glargin, sondern andere, noch unbekannte Faktoren die Ursache des höheren Risikos sind. Beunruhigend ist jedoch, dass von drei weiteren, in derselben Ausgabe von Diabetologia veröffentlichten Studien, zwei ebenfalls eine mit Glargin verbundene Erhöhung des Krebsrisikos beschreiben.

Glargin ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland zugelassen. Seitdem wurden mehrfach Laborversuche veröffentlicht, die darauf hindeuteten, dass das Analoginsulin unter bestimmten Bedingungen das Wachstum von Krebszelllinien stärker anregen kann als Humaninsulin. "Diese Hinweise werden zwar in der Fachwelt diskutiert, sie wurden aber nie durch angemessene Studien ausgeräumt", sagt Sawicki. Insgesamt haben sich nach Einschätzung des IQWiG jetzt die Hinweise auf ein Risiko durch Glargin so weit verdichtet, dass sich aus Gründen der Vorsorge eine Umkehrung der Beweislast ergibt: Solange nicht verlässliche Studien die Sicherheit von Glargin im Vergleich zu Humaninsulin belegen, sollte das Medikament nur dann eingesetzt werden, wenn es besonders wichtige Gründe gibt.

Erkrankungsrisiko steigt mit Höhe der Dosis

Die Wissenschaftler berechneten auch, dass mit steigender Glargindosis das Risiko einer Krebserkrankung im Vergleich zu Humaninsulin weiter zunahm. Auch diese Abhängigkeit von der Glargindosis erhärtet den Verdacht, dass das Arzneimittel eine ursächliche Rolle spielt.

Die Zunahme des Krebsrisikos war relativ klein und erst zu erkennen, wenn wichtige weitere Faktoren wie Alter, Geschlecht und die tägliche Insulinmenge berücksichtigt wurden. Die Patienten waren im Durchschnitt um die 65 bis 70 Jahre alt, hatten also grundsätzlich bereits ein gewisses Krebsrisiko: Von 1000 mit Humaninsulin behandelten Patienten erkrankten innerhalb von durchschnittlich 20 Monaten etwa 41 an Krebs. Wenn "ähnliche" Patienten mit Glargin behandelt würden, ergäben sich folgende Zunahmen der Krebsdiagnosen: Bei Patienten, denen im Durchschnitt täglich 10 Glargin-Einheiten verordnet würden, wären es etwa 4 Krebserkrankungen mehr pro 1000 Patienten. Bei Patienten, denen täglich 50 Einheiten Glargin verordnet würden, wären es etwa 13 Krebserkrankungen mehr pro 1000 Patienten.

Allerdings wurde Glargin nach den AOK-Daten von den meisten Patienten nur in relativ niedrigen Dosierungen eingesetzt. Von 100 Patienten, die Glargin erhielten, verwendeten etwa 50 täglich weniger als 20 Einheiten und nur 5 von 100 Patienten über 50 Einheiten.

Behandlung nicht überstürzt umstellen

Die neue Untersuchung ist für Patientinnen und Patienten mit Diabetes kein Anlass, jetzt überstürzt die Behandlung umzustellen, insbesondere wenn die verwendete Glargin-Dosis niedrig ist. Diabetes ist eine komplexe Erkrankung, bei deren Behandlung viele Aspekte beachtet werden sollten. "Wenn ein Patient allerdings mit Humaninsulin genauso gut behandelt werden kann wie mit Glargin, dann sollten er und sein Arzt eine Umstellung auf Humaninsulin erwägen", sagt Sawicki: "Patienten mit einem erhöhten Risiko für Krebs sollten wenn irgend möglich Humaninsulin statt Glargin verwenden."

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben keine Anhaltspunkte, dass Glargin oder ein anderes Insulin normale Zellen zu Krebszellen werden lässt. Es könnte jedoch sein, dass Glargin stärker als andere Insuline das Wachstum von bereits vorhandenen Krebszellen anregen kann.

In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler des IQWiG und des WIdO auf pseudonymisierte Krankheits- und Abrechnungsdaten von 17,9 Millionen Versicherten der AOK zurückgreifen, darunter über 320.000 Patienten mit Diabetes (vor allem Typ 2). Ausgewertet wurden die Daten von etwa 130.000 Patienten mit Diabetes, die ausschließlich entweder Humaninsulin oder ein Analoginsulin genutzt hatten, und bis zum Jahr 2001 nicht an Krebs erkrankt waren.

Kontakt: Tel. 0221-35685-0, info@iqwig.de

Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news323048

Weise
14.11.2009, 17:32
MDC-Forscher identifizieren Startsignal für Zell-Überlebensprogramm

Jeden Tag wird die DNA menschlicher Zellen zehntausendfach geschädigt. Auslöser sind unter anderem UV-Strahlen, Fehler bei der Zellteilung sowie DNA schädigende Chemikalien und intrazelluläre Stoffwechselprodukte. Schäden an der Erbsubstanz können schwere Krankheiten wie Krebs zur Folge haben. Der Körper verfügt jedoch über ein sehr komplexes System, das die DNA-Schäden innerhalb von Sekunden erkennt und dafür sorgt, dass sie behoben werden. Bei massiven DNA-Schäden kann die betroffene Zelle aber durch den sogenannten programmierten Zelltod (in der Fachsprache Apoptose genannt) zerstört werden.

Apoptose ist ein Schutzprogramm, welches defekte Zellen in den Selbstmord treibt und damit den Organismus als Ganzes vor Schaden bewahrt. Bei der Aktivierung dieses zellulären Selbstmord-Programms hat der Genschalter p53, auch als "Wächter des Genoms" bezeichnet, eine zentrale Funktion. Doch nicht immer gelingt es ihm, dieses Schutzprogramm anzuschalten.

Als Gegenspieler von p53 fungiert der Genschalter NF-kappaB, der seinerseits ein Überlebensprogramm aktiviert, das die geschädigten Zellen vor dem Untergang bewahrt. Die Aktivierung dieses Programms durch NF-kappaB wird als eine der möglichen Ursachen für häufig auftretende Resistenzen gegen Chemo- und Strahlentherapie angenommen, die eine erfolgreiche Behandlung von Tumorerkrankungen verhindern.

Der Genschalter NF-kappaB steuert aber nicht nur zelluläre Überlebensprogramme, sondern spielt auch im Immunsystem und bei Entzündungprozessen eine wichtige Rolle. NF-kappaB kann durch eine Vielzahl außer- und innerzellulärer Stimuli angeschaltet werden. Eine derartige Stimulation verändert die Aktivität Protein-gesteuerter Signalwege, die schließlich NF-kappaB in einen aktiven Zustand versetzen.

Für verschiedene externe Stimuli konnte der Prozess der Signalweiterleitung in den vergangenen Jahren aufgeklärt werden. Im Gegensatz dazu war es noch weitgehend unklar, wie DNA-Schäden das Anschalten von NF-kappaB verursachen. Forschern des MDC ist es jetzt gelungen, Licht in das Dunkel dieses speziellen Signalwegs zu bringen.

Startsignal identifiziert

Prof. Scheidereit und seine Mitarbeiter Michael Stilmann und Dr. Hinz fanden heraus, dass der DNA-Schadensdetektor PARP-1 eine Schlüsselfunktion bei der Aktivierung des Genschalters NF-kappaB besitzt. PARP-1 erkennt geschädigte DNA in Sekundenschnelle und verbindet anschließend verschiedene Proteine, die ebenfalls eine Schlüsselrolle in dem Signalweg spielen, zu einem Komplex im Zellkern. In der Folge werden durch chemische Veränderungen dieser Proteine Signale ausgelöst, die für die NF-kappaB Aktivierung im Zellplasma essentiell sind. "Damit haben wir das Startsignal für die NF-kappaB Aktivierung identifiziert", erläutern Michael Stilmann und Dr. Hinz.

Jetzt wollen die Forscher weitere Komponenten dieser Signalübertragung und ihr Zusammenspiel erforschen. "Für die medizinische Forschung ist es von enormer Bedeutung, diese Signalwege zu verstehen. Damit verbunden ist die Hoffnung, Angriffspunkte zu erkennen, um den Überlebensfaktor NF-kappaB bei Krebserkrankungen gezielt ausschalten zu können."

Bereits jetzt laufen weltweit klinische Studien mit verschiedenen, noch nicht zugelassenen Substanzen, die gezielt PARP-1 hemmen und die in der Fachwelt große Aufmerksamkeit bekommen haben. Vor dem Hintergrund dieser Studien gewinnt die Arbeit der MDC-Forscher nach Ansicht von Experten eine besondere Bedeutung.

Prof. Scheidereit und seine Mitarbeiter arbeiten schon seit vielen Jahren über NF-kappaB. Vor einigen Jahren konnten sie zeigen, dass NF-kappaB bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom eine wichtige Rolle für das Überleben der Tumorzellen dieses Lymphdrüsenkrebses spielt.

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Weitere Informationen:
Stephen P. Jackson, Jiri Bartek, The DNA-damage response in human biology and disease, Nature Vol. 461, 22 October 2009

Peter C. Fong et al., Inhibition of Poly(ADP-Ribose) Polymerase in Tumors from BRCA Mutation Carriers; New England Journal of Medicine, Vol. 361, Nr. 2, pp. 123-134, 9 Juli 2009
Weitere Informationen: http://www.clinicaltrials.gov/ct2/results?term=PARP+inhibitor

Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news343961

Weise
16.03.2010, 20:18
Zellen haben zwei verschiedene Schutzprogramme, die sie davor bewahren, bei Stress außer Kontrolle zu geraten, sich ungebremst zu teilen und Krebs zu entwickeln.

Bisher ging die Forschung davon aus, dass sich diese Systeme unabhängig voneinander anschalten. Jetzt haben Krebsforscher des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Charité in Berlin erstmals bei Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) im Tiermodell gezeigt, dass beide Schutzprogramme mit Abwehrzellen kooperieren und so verhindern, dass Tumoren entstehen. Die Erkenntnisse von Dr. Maurice Reimann (Forschungsgruppe Prof. Clemens Schmitt) könnten grundlegende Bedeutung für die Krebsbekämpfung haben (Cancer Cell, DOI 10.1016/j.ccr.2009.12.043)*.

Seit einiger Zeit wissen Forscher, dass krebsauslösende Gene (Onkogene) im Frühstadium der Entstehung einer Krebserkrankung paradoxerweise selbst diese Zellschutzprogramme aktivieren können. Das erklärt möglicherweise, weshalb manche Tumore Jahrzehnte brauchen, bis sie zum Ausbruch kommen. Das Krebsgen Myc löst den programmierten Zelltod oder Apoptose (griech.: fallende Blätter) aus. Das ist ein seit langem bekanntes Schutzprogramm, bei dem sich eine geschädigte Zelle umbringt, und damit den Körper als Ganzes vor Schaden bewahrt. Mit einer Chemotherapie aktivieren Ärzte dieses Schutzprogramm bei einer Krebsbehandlung.

Das zweite Sicherungsprogramm ist die Seneszens (lat.: senex für Alter, Greis). Es wird von einem anderen Krebsgen, dem ras-Onkogen, angeschaltet. Dieses Programm hält den Zellzyklus an, die Zelle kann sich nicht mehr teilen, lebt aber im Gegensatz zur Apoptose weiter und ist noch Stoffwechsel-aktiv. Prof. Schmitt, der in der Charité als Kliniker tätig ist und am MDC eine Forschungsgruppe leitet, hatte vor wenigen Jahren im Tierversuch an Hand eines Lymphdrüsenkrebs-Modells zeigen können, dass die Seneszenz die Entwicklung bösartiger Tumoren im Frühstadium blockieren kann.

Krebsgen Myc löst Kaskade zur Aktivierung beider Schutzprogramme aus

Jetzt konnten Dr. Reimann, Dr. Soyoung Lee, Dr. Christoph Loddenkemper, Dr. Jan R. Dörr, Dr. Vedrana Tabor und Prof. Schmitt erstmals nachweisen, dass das Krebsgen Myc eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung beider Schutzprogramme spielt und zwar ohne Anwesenheit des ras-Onkogens. "Bemerkenswert an diesem Befund ist, dass ein Onkogen zunächst Apoptose auslösen kann und mit dem Tumorstroma - das ist das Gewebe, das den Tumor umgibt und auch gesunde Zellen enthält - sowie dem Immunsystem wechselwirkt und in der Lage ist, dort Signale anzuschalten, die dann zu Tumor-Seneszenz führen", erläutert Prof. Schmitt die Forschungsarbeit.

Grundlegende Bedeutung

Die Kaskade läuft nach den Erkenntnissen der Forscher wie folgt ab: erst löst das Myc-Onkogen in den Lymphomzellen Apoptose aus. Die absterbenden, apoptotischen Zellen locken Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems an, die die abgestorbenen Lymphomzellen entsorgen. Die so aktivierten Fresszellen wiederum setzen Botenstoffe (Zytokine) frei, darunter das Zytokin TGF-beta. Es kann im Frühstadium einer Tumorerkrankung das Wachstum von Krebszellen hemmen. Die MDC- und Charité-Forscher stellten fest, dass der Botenstoff in den Tumorzellen, die der Apoptose entkommen sind, das Seneszenz-Programm anschaltet und die Krebszellen damit stilllegt.

"Unsere Ergebnisse haben vermutlich über die Lymphomerkrankungen hinaus grundlegende Bedeutung für die Krebsentstehung. Weiter zeigen sie, dass die durch Botenstoffe des Immunsystens ausgelöste Seneszenz möglicherweise ein wichtiges weiteres Wirkprinzip neben der durch Chemotherapie ausgelösten Apoptose ist."

Gegenwärtig beschäftigen sich die Forscher in der Arbeitsgruppe von Prof. Schmitt intensiv mit Chemotherapie-vermittelter Seneszenz. "Wenn wir genauer verstanden haben, ob wir Krebszellen, die wir nicht mehr abtöten können, auch durch Seneszenz-Anschaltung langfristig unter Kontrolle bringen können, ergäben sich wichtige neue Therapiemöglichkeiten", sagte Prof. Schmitt.

*Tumor Stroma-Derived TGF-? Limits Myc-Driven Lymphomagenesis via Suv39h1-Dependent Senescence

Maurice Reimann1,6, Soyoung Lee1,2,6, Christoph Loddenkemper3,6, Jan R. Dörr1,6, Vedrana Tabor2,6, Peter Aichele4, Harald Stein3, Bernd Dörken1,2, Thomas Jenuwein5, and Clemens A. Schmitt1,2

1Charité - Universitätsmedizin Berlin/Molekulares Krebsforschungszentrum der Charité - MKFZ, Berlin, Germany
2Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany
3Charité - Universitätsmedizin Berlin/Department of Pathology, Campus Benjamin Franklin, Berlin, Germany
4University Hospital Freiburg, Department of Immunology, 79104 Freiburg, Germany
5Research Institute of Molecular Pathology, Vienna, Austria (present address: Max-Planck-Institute of Immunology, Freiburg, Germany)
6These authors contributed equally to this work
Correspondence: clemens.schmitt@charite.de. Fon +49-30-450 553 687; Fax +49-30-450 553 986

Barbara Bachtler
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Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news360160

Weise
06.04.2010, 20:35
Unser Körper hat verschiedene Mechanismen entwickelt, durch die er sich gegen neu entstandene Krebszellen schützt. Zum Beispiel erkennen und vernichten Killerzellen jeden Tag veränderte Zellen in unseren Organen.

Sind Tumore erst entstanden, stören Botenstoffe des Immunsystems diese beim Wachsen. Wissenschaftler des HZI in Braunschweig konnten jetzt eine völlig unerwartete Funktion eines immunologischen Botenstoffes bei der Tumorbekämpfung zeigen: Das Molekül Beta-Interferon hindert den Tumor daran, sich an das Blutsystem anzuschließen. Dazu hemmt es die Produktion von Wachstumsfaktoren, die die Bildung neuer Adern unterstützen. Die Folge: Der Tumor kann nicht wachsen. Ihre Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe jetzt in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht.

Der Anschluss an das Blutsystem ist ein entscheidender Schritt bei der Krebsentstehung.

Der Tumor entwickelt innerhalb des Gewebes, in dem er wächst, ein Eigenleben: Er lockt mit Signalstoffen weiße Blutkörperchen aus dem Knochenmark in das Tumorgewebe, deren Aufgabe normalerweise die Infektionsabwehr und Wundheilung ist. Die Zellen regen im Tumor neue Blutgefäße zum Wachsen an. Ist der Tumor an den Blutkreislauf angeschlossen, holt er sich die Nährstoffe, die er zum Wachsen benötigt und kann zudem seine Zellen in das gesamte Blutsystem streuen und Metastasen bilden. Wissenschaftler des HZI entschlüsselten jetzt, wie ein Botenstoff den Anschluss an das Blutsystem verhindert.

Botenstoffe sind die Feinregulatoren von Immunzellen: Sie aktivieren oder deaktivieren Zellen, lösen die Produktion von Wachstumsfaktoren oder weiterer Botenstoffe aus, starten oder beenden eine Immunreaktion. Eines dieser Signalmoleküle wird bereits in der Therapie einiger Krebsformen genutzt: Beta-Interferon. Wie es wirkt, wissen die Wissenschaftler bisher nicht. Die Forscherin Jadwiga Jablonska vom HZI ist jetzt eine neue Wirkweise von Beta-Interferon gegen Krebs gefunden. Die Ergebnisse überraschten sie: "Beta-Interferon blockiert den Anschluss des Tumors an das Blutgefäßsystem, indem es Immunzellen daran hindert, Wachstumsfaktoren zu bilden. Diese Wirkung auf Tumore haben wir absolut nicht erwartet", sagt Jadwiga Jablonska.

Die Forscherin ließ Hauttumore in zwei Gruppen von Mäusen wachsen: Die einen Tiere konnten kein Beta-Interferon bilden, die anderen produzieren den Botenstoff normal in ihrem Körper. Nach einigen Tagen untersuchte die Wissenschaftlerin das Wachstum der Tumore. "In Mäusen, die kein Beta-Interferon bilden konnten, waren die Tumore wesentlich größer als in Tieren, die das Signalmolekül in ihrem Körper hatten."

Die Tumoren wuchsen nicht nur langsamer, sie bildeten auch weniger und kleinere Metastasen. Den Grund für das schlechtere Wachstum fand die Wissenschaftlerin in der fehlenden Durchblutung der Tumore. "In Gegenwart von Beta-Interferon bildeten sich viel weniger Adern im Tumor", sagt Jadwiga Jablonska. Das Beta-Interferon wirkt auf einem kleinen Umweg: Es blockiert die Produktion von Adern bildenden Wachstumsfaktoren in Zellen, die der Tumor anlockt, um den Blutanschluss zu fördern. Die Forscherin entdeckte, dass die Zellen nicht nur weniger Wachstumsfaktoren bildeten, sondern auch dass weniger dieser Zellen ihren Weg in den Tumor fanden. "Bereits eine verschwindend geringe Menge des Botenstoffes reicht aus, um Zellen fernzuhalten, Wachstumsfaktoren zu hemmen und damit das Tumorwachstum zu stoppen", sagt Jadwiga Jablonska.

"Dieser Wirkmechanismus von Beta-Interferon war bisher völlig unbekannt", sagt Siegfried Weiß, Leiter der Arbeitsgruppe "Molekulare Immunologie" am HZI. Der Botenstoff spiele eigentlich eine wichtige Rolle bei Virus-Erkrankungen und Entzündungsreaktionen. "Wir wollen jetzt verstehen, wie das Netzwerk von Tumor, Immunzellen und Botenstoffe funktioniert, um neue Zielstrukturen für die Therapie von Krebs zu entdecken", sagt Weiß.

Originalartikel: Jablonska J, Leschner S, Westphal K, Lienenklaus S, Weiss S. Neutrophils responsive to endogenous IFN-beta regulate tumor angiogenesis and growth in a mouse tumor model. J Clin Invest. 2010 Apr 1. DOI: 10.1172/JCI37223

Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news362915

Weise
31.10.2010, 12:03
Ein Protein mit zwei Gesichtern: Wachstum oder Zelltod – Stress entscheidet über die Signale

Das Signalprotein Rheb kommt in vielen Körperzellen, besonders im Gehirn vor. Es ist wichtig für Wachstumsprozesse – bei Zellstress zeigt es aber sein zweites Gesicht. In diesem Fall beschleunigt es den Tod der Zelle. Diese Erkenntnis haben Forscher um Prof. Dr. Rolf Heumann und Prof. Dr. Raphael Stoll von der Ruhr-Universität Bochum gewonnen. Sie hat Auswirkungen auf die Behandlung von Erkrankungen: Das verbreitet eingesetzte Antibiotikum Rapamycin, das die Signalweiterleitung von Rheb verhindert, sollte mit Bedacht eingesetzt werden, raten die Forscher. Unter Zellstressbedingungen könnte sich seine Wirkung umkehren.

Um seine Wirkung entfalten zu können, muss der Rheb (Ras homologue enriched in brain) -Signalweg aktiviert werden. Das geschieht u.a. durch die Bindung von aktiviertem Rheb an die Protein-Kinase mTOR (target of rapamycin). Der gebundene Komplex verursacht über weitere Signalkaskaden Zellwachstum, Steuerung des zellschützenden kontrollierten Abbaus von Zellbestandteilen (Autophagie), der Reaktionen der Zelle auf Energieverknappung und der Proteinherstellung. Das Antibiotikum Rapamycin hemmt die mTOR-Kinase und somit auch die Aktivierung durch Rheb. Es wird bereits vielfach in der medizinischen Praxis angewendet, z. B. als Mittel zur Unterdrückung der Immunantwort oder bei der Krebstherapie zur Verhinderung von Zellwucherung.

Mehr Infos unter http://idw-online.de/pages/de/news394217 (http://idw-online.de/pages/de/news394217)

Weise
29.01.2011, 17:46
Schnellaufbau der Immunabwehr geklärt


Einen wichtigen Fortschritt im Verständnis des Immunsystems hat ein internationales Forscherteam um Professor Dr. Matthias Gunzer vom Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erzielt. Die Wissenschaftler konnten erstmals zeigen, wie Zellen der körpereigenen Abwehr massenweise aus dem Knochenmark ausgeschwemmt werden und damit die Immunabwehr stärken. Videosequenzen zeigen die Mobilisierung der sogenannten neutrophilen Granulozyten. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse jetzt im renommierten Forschungsjournal „Blood“ (doi:10.1182/blood-2010-09-308387).

Hintergrund der Forschung

Wie schon Goethe in seinem Roman „Faust“ zu berichten wusste, ist Blut ein „ganz besonderer Saft“. Er besteht aus unterschiedlich spezialisierten Zellen, die ständig erneuert werden. Ein Großteil dient der Abwehr krankmachender Bakterien. In vorderster Abwehrlinie stehen die sogenannten neutrophilen Granulozyten. Sie entstehen aus unspezialisierten Vorläuferzellen (Stammzellen) des Knochenmarks und werden beim Kontakt mit Krankheitserregern massenweise in das Blut ausgeschüttet. Mit dem Blutstrom wandern sie in das infizierte Gewebe und bekämpfen die Erreger. Der Vorgang, den die Wissenschaftler als „Mobilisierung“ bezeichnen, wird durch einen körpereigenen Wachstumsfaktor mit dem etwas sperrigen Namen „Granulocyten-Koloniestimulierender Faktor“ - kurz G-CSF - ausgelöst.

Nützlich in der Chemotherapie

Dieses Wissen nutzen Mediziner seit etwa zwei Jahrzehnten u.a. in der Chemotherapie von Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe (akute Leukämien, Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome), sowie von bestimmten Tumoren (z.B. Mammakarzinom, Hodenkrebs und Weichteilsarkomen).
Die in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) zerstören alle Zellen, die sich schnell teilen. Leider sind das nicht nur die zu bekämpfenden Krebszellen, sondern auch Zellen des blutbildenden Systems, die u.a. für die Immunabwehr wichtig sind. Um die Zeit hoher Infektanfälligkeit während einer Chemotherapie so kurz wie möglich zu halten, stimulieren die Mediziner die Granulozyten-Neubildung mit gentechnisch hergestellten Medikamenten, die mit dem körpereigenen Wachstumsfaktor G-CSF nahezu identisch sind. Der Erfolg dieser Behandlung steht inzwischen außer Frage. „Doch konnte er bislang leider nicht bis ins Detail geklärt werden“, so Professor Gunzer. „Ungeklärt war bislang, wie die Granulozyten durch G-CSF aus dem Knochenmark ausgeschwemmt werden und die Immunabehr stärken“.

Die neuen Erkenntnisse

Das konnte die Forschergruppe jetzt u.a. mit Hilfe moderner Bildgebungstechniken wie der sogenannten 2-Photonen-Mikroskopie aufklären. Den Immunologen der Universität in Magdeburg gelang es, die Bewegung neutrophiler Granulozyten im Knochenmark im lebenden Organismus zu beobachten. „Wir konnten zeigen, dass die neutrophilen Granulozyten normalerweise relativ ruhig im Knochenmark umherlaufen. Sobald aber G-CSF eintrifft, werden sie rasend schnell und beginnen, massiv in die Blutgefäße, die reichlich im Knochen vorhanden sind, einzuwandern“, so der Magdeburger Immunologe Professor Gunzer.

Die Forscher konnten zeigen, dass die durch den Wachstumsfaktor G-CSF vermittelte Mobilisierung der Granulozyten im Knochenmark von einem komplexen Mechanismus ausgelöst wird, bei dem mehrere chemische Botenstoffe kaskadenartig produziert werden und schließlich CXCR2, einen wichtigen Rezeptor auf der Oberfläche von neutrophilen Granulozyten stimulieren. Dieser führt dazu, dass die vormals ruhenden neutrophilen Granulozyten plötzlich extrem wandern. Der gleiche Rezeptor führt außerdem dazu, dass neutrophile Granulozyten zielgerichtet in infizierte Gewebe einwandern können, um zum Beispiel Infektionen zu bekämpfen.

Nutzen der Forschungsergebnisse

Die wissenschaftlichen Ergebnisse können nicht nur die Befunde aus der klinischen Praxis erklären, sondern in Zukunft vielleicht auch dazu beitragen, die Chemotherapien unter Einsatz von G-CSF weiter zu verbessern, hoffen die Forscher.

Internet: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21224471

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Prof. Dr. Matthias Gunzer
Institut für Molekulare und Klinische Immunologie
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
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28.1.2011