Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 28.06.2016

 

Die Entwicklung von Biogasanlagen gerät außer Kontrolle

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19.02.2011 - Die sicheren Einnahmen durch das erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat nicht nur zu einem Boom bei Solarstrom geführt, sondern auch das Interesse der Landwirte geweckt. Als Folge hat sich der Bestand an Biogasanlagen in den letzten fünf Jahren verzehnfacht. Ebenso nimmt die Anlagengröße ständig zu.

Grundidee der Förderung war die Energiegewinnung aus Abfällen der landwirtschaftlichen Produktion wie Schweine- und Rindergülle sowie Mist z. B. aus einer Putenzucht. Der Haken daran ist, dass zur Amortisation der beträchtlichen Investitionskosten von 2 bis 3 Millionen Euro ein entsprechender Verkaufserlös notwendig ist.

Folglich reichen die eigenen Abfallstoffe nicht aus. Es wird eine Zuführung von Energiepflanzen benötigt. Für kleine Milchbauern taugte das Projekt „Biogas“ von vornherein nicht. Um für den nötigen Mist zu sorgen, wird eine angelagerte Massentierhaltung von Schweinen oder Puten benötigt.

Mais ist die am meisten verwendete "Energiepflanze". An weiteren, ökologisch günstigeren Arten, wird intensiv geforscht. Dennoch ist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag unbefriedigend: um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen, wird eine Anbaufläche von 0,5 Hektar benötigt. Der durchschnittliche Bestand an landwirtschaftlicher Fläche in Bayern beträgt 50 ha. Wer eine Anlage wirtschaftlich betreiben will, kommt nicht umhin, Ackerfläche zu pachten und Biomasse zum Teil über größere Entfernungen anzufahren.

Mittlerweile explodieren die Pachtpreise. Gemäß einer Studie der Universität Göttingen ergaben sich in Niedersachsen Preisspannen zwischen 30 und 170 EUR, abhängig davon, ob eine Biogasproduktion vorlag oder nicht. Bauern, die Nahrungsmittelanbau betreiben wollen, fallen dadurch gänzlich durch das Ertragsraster. Einerseits hohe Produktionskosten, andererseits niedrige Preise für ihre Erzeugnisse.

Umwelt, Natur und die Anwohner von Biogasanlagen bekommen die negativen Begleiterscheinungen zu spüren:

• Maismonokulturen laugen die Äcker aus und sorgen für hohen Pestizideinsatz

• Die mehrmalige Ausbringung von nährstoffhaltigen Gärresten sorgt für eine Überdüngung von Wiesen und Feldern und vernichtet die Artenvielfalt

• Maisernte und Grasschnitt wird teilweise bis zu 50 Kilometer weit angefahren. Die Folge sind hoher Energieverbrauch und Lärmemissionen

• Das Gasproduktion bringt eine starke Geruchsbelästigung mit sich

• Die Generatoren zur Stromerzeugung laufen Tag und Nacht und geben einen tieffrequenten Brummton ab

Inzwischen hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Fehlentwicklungen erkannt. Die Neuregelung des EEG-Gesetzes soll spätestens im Jahre 2012 vorgenommen werden. Grundlage ist dann ein Ergebnisbericht, der voraussichtlich im Mai dieses Jahres von der Bundesregierung verabschiedet wird.

Weiterführende Informationen:

1) Förderung nach EEG: http://www.baubiologie-regional.de/forum_vb1/showthread.php?100-Förderung-nach-EEG-Stand-18.2.2011
2) Pressemeldung des Ministeriums vom 17.2.11: http://www.biogasportal.info/service/pressecenter/presse/aktuelle-nachricht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=3231&tx_ttnews%5Byear%5D=2011&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=17&cHash=c6197e42f04fe5180125e3736eaafc97
3) Radiosendung von Bayern2 am 17.2.11: http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-notizbuch-nah-dran.shtml

Biogasleitfaden der Fachagentur für nachhaltige Rohstoffe:

http://www.nachwachsenderohstoffe.de/